The Tree of Life
Auf den Spuren von Dag Hammarskjöld in Lappland (2004)

Filmbesprechungen

 

Neue Züricher Zeitung, zur Neuauflage bei Absolut Medien im Mai 2012 www.nzz.ch

Dag Hammarskjölds Naturmystik
Das filmische Werk des deutschen Journalisten und Dokumentarfilmers Rüdiger Sünner ist angetrieben von einer Suche nach den spirituellen Hinter- und manchmal auch Abgründen, die sich oft erst einem genaueren Blick auf grosse Bewegungen oder bedeutende Persönlichkeiten eröffnen. So hat Sünner etwa in «Schwarze Sonne» die mystizistischen Wurzeln der NS-Ideologie freigelegt, während seine Porträts von C. G. Jung oder Rudolf Steiner die spirituellen Grundlagen im Werk dieser beiden Männer mit einem eher empathisch-faszinierten Blick verfolgen.
Mit seinem jüngsten (in Neuauflage erschienenen) Film, «The Tree of Life», nun begibt sich Sünner wiederum auf die spirituellen Spuren einer grossen Seele, nämlich des Diplomaten, Uno-Generalsekretärs und Friedensnobelpreisträgers Dag Hammarskjöld, der 1961 bei einem bis heute ungeklärten Flugzeugabsturz während einer Vermittlungsmission in Kongo ums Leben kam. Die im Nachlass Hammarskjölds gefundenen Tagebuchaufzeichnungen «Vägmärken» (Zeichen am Weg) gaben der Nachwelt dabei einen überraschenden Einblick in die verborgene Seite des geachteten Staatsmannes, dessen besonnenes Einschreiten einen Ausbruch der Suezkrise – durch kurzfristige Erschaffung der Uno-Blauhelmtruppe – verhinderte.
In seinem streifenden, vom Mut zur Lücke geprägten und zuweilen auch eigenwillig inszenierten Reise-Essay – so werden etwa gezeichnete Porträts der genannten Figuren auf Tafeln in den nordischen Landschaften drapiert – untersucht Sünner nun die inneren Grundlagen für Hammarskjölds eindrückliche Handlungsethik, die der Filmemacher in einem fast religiösen, naturmystischen Verhältnis zur Landschaft Lapplands findet: Die Natur lehre ihn Demut und Biegsamkeit, notiert der leidenschaftliche Wanderer etwa in seinen literarisch bemerkenswerten Notizen, sie bewirke, dass er ein Empfangender bleibe und «als ein organischer Teil innerhalb des Ganzen mitzuklingen» vermöge.


INFO 3, Anthroposophie heute, Mai 2005
www.info3.de

Als nach dem Tod des ehemaligen UN-Generalsekretärs Dag Hammarskjöld im Jahre 1961 seine persönlichen Tagebücher bekannt wurden, sorgte dies bei allen, die diesen seriösen Politiker gekannt hatten, zunächst für Irritationen. Denn in seinen Aufzeichnungen trat ein tief denkender und empfindender Mystiker hervor, den niemand hinter dem korrekten Politiker vermutet hätte.Sind die Quellen jenes inneren Leben möglicherweise in der Landschaft Lapplands aufzufinden, in die sich der Staatsmann immer wieder wandernd zurückgezogen hatte? Der Dokumentarfilm The Tree of Life von Rüdiger Sünner ist ein künstlerisches Experiment, das dieser These nachzugehen versucht. Unter Verzicht auf jede geheimnistuerische Attitüde entwickelt Sünners Film seine Wirkung allein aus dem Gegensatz und dem Zusammenspiel von Mensch und Natur, von zeitlichem Individuum und immerwährender Schöpfung. Die meditativen Betrachtungen Hammarskjölds über die Zugehörigkeit des Menschen zu einem grösseren Ganzen und seine Aphorismen über die innere Ruhe im Getriebe des Weltgeschehens entfalten sich dabei wie Bildlegenden, die in die berührend eingefangenen Gegenden Nordschwedens hineingesprochen werden. Menschenleere, karge Weiten, aufragende Bergzüge, und immer wieder fliessendes, tropfendes, gleitendes, tosendes oder verdampfendes Wasser, dazu dramatische Fels- und Wolkenformationen. In dieser Landschaft inszeniert Sünner mit Hilfe von Zeichnungen, auf denen die Künstlerlin Christine Klie den UN-Generalsekretär und seine wichtigsten Zeitgenossen in einer zu der Umgebung passenden Schlichtheit portraitiert hat, die zentralen, teilweise noch heute fortwirkenden weltpolitischen Konflikte seiner Amtszeit, etwa die Nahost- und Suezkrise oder die Unabhängigskeitskriege des Kongo. Wie die Natur den Menschen in seiner Eigenart hervorhebt und zur Besinnung ruft, droht ihn die Geschichte unter ihrer kollektiven Wucht zu begraben. Eindrucksvoll schliesst dann Hammarskjölds stoische Gelassenheit dem Tod gegenüber wieder den Bogen zu der Ewigkeitsstimmung der Landschaft Lapplands. Ein Film, dessen eindrückliche Stimmung dem Betrachter lange nachgeht. (Jens Heisterkamp)


Gunnar Petrich, ZDF-Redaktion "Kirche und Leben" www.zdf.de

Auf eine Reise "Auf den Spuren von Dag Hammarskjöld" nimmt der Berliner Journalist und Filmautor Rüdiger Sünner mit. In einem sehr persönlichen Film, der bei Komplett Media als DVD vorliegt, erzählt er das Leben von Dag Hammarskjöld und zitiert ausgiebig aus seinen Werken. Sünner gelingt es mit exzellenten Bildern, z.T. selbstkomponierter Musik und einfühlsamen Zeichnungen von Christine Klie, den Zuschauer in die Gedankenwelt Dag Hammarskjölds zu entführen. Ein einfühlsamer Film, für alle, die sich intensiv mit dem Leben und dem Glauben des ehemaligen UNO-Generalsekretärs beschäftigen wollen.


Der Hammarskjöld-Biograph Dr. Manuel Fröhlich, Universität Jena www.amazon.de

Der Film bietet Bilder von einer eindringlichen Ruhe und Schönheit. Das besondere Verhältnis Dag Hammarskjölds zu Natur und Landschaft Lapplands wird sehr eindringlich illustriert. Zugleich sind in die Spurensuche wichtige Etappen des bewegten Lebens des UNO-Generalsekretärs eingewoben. Mittels einer Mischung aus Klang-, Bild- und Textdokumenten zeichnet Sünner sowohl Denken als auch Handeln des politischen wie privaten Menschen nach. Ein sehr persönlicher Blick auf eine wichtige Persönlichkeit des 20. Jahrhunderts.


HAGIA CHORA - Zeitschrift für Geomantie, Heft Nr. 21, 2005
www.geomantie.net

In der letzten Ausgabe von Hagia Chora hat der Autor, Filmemacher und Musiker Rüdiger Sünner in seinem Beitrag "Mythos und Landschaft im Film" bereits über sein letztes Filmprojekt berichtet. Er war einem sehr persönlichen, geomantischen und politischen Thema auf der Spur: der Beziehung des ehemaligen UN-Generalsekretärs Dag Hammarskjöld zu den einsamen Berglandschaften in Lappland. Zu Lebzeiten wusste man wenig über die innere Welt dieses bemerkenswerten Diplomaten, dem man posthum den Friedensnobelpreis für seine Vermittlung im Nahostkonflikt und im Kongo verlieh. Die Umstände seines plötzlichen Todes im Jahr 1961 – ein Flugzeugabsturz über dem Kongo – sind bis heute nicht geklärt. In Verdacht steht ein Attentat im Auftrag Belgiens, dessen kolonialistischer Politik Dag Hammarskjölds Arbeit Steine in den Weg legte. Nach dem Unglück fand man seine erstaunlichen Tagebuchaufzeichnungen, die ihn als Philosophen, Dichter und Mystiker zu erkennen gaben – eine Seite, die er zu Lebzeiten selbst vor nahestehenden Menschen verschlossen gehalten hatte. Hammarskjöld hatte sich immer wieder in die einsamen Berglandschaften Lapplands zurückgezogen, um dort zu sich selbst zu finden und mit seiner Situation als Mensch in einer hochverantwortlichen Position in Zeiten des kalten Kriegs zurechtzukommen. Die Gedankensplitter in seinem Tagebuch, die in Sünners Film mit den Bildern der lappländischen Landschaft verschmelzen, haben die Kraft und Weite des nördlichen Himmels, der sich in den Hunderten von Seen und Bächen spiegelt, und eine eigenartige Strenge, Klarheit und Unbedingtheit – genau wie dieses Land.
Rüdiger Sünners Filme sind künstlerische Kompositionen. Lange, unveränderte Einstellungen auf die großartige, karge Berglandschaft führen den Betrachter in einen Raum, in dem eine andere Zeit wirkt, ein unendlich langsamer, ruhiger Puls. Während die Kamera den Schritten des Wanderers über steinige Pfade, Holzstege und loses Geröll folgt, nur wenige Zentimeter über dem Boden, wirkt es fast so, als nähme man als Zuschauer die Perspektive des Landes selbst ein. Neben Rüdiger Sünner selbst, den der Film auf seiner Reise nach Lappland begleitet, und wenigen historischen Aufnahmen in der Einführung, zeigt der Film keine "wirklichen" Menschen, sondern Schwarzweiß-Zeichnungen von Hammarskjöld und seinen Verhandlungspartnern sowie von Symbolen der Kulturen, mit denen er sich auseinandersetzen musste. Die Zeichnungen treiben einen Bach hinab, flattern an Bäumen aufgehängt im Wind, und am Schluss, während im Hintergrund über die tragischen Vorkommnisse der Kongokrise berichtet wird, erfasst die Bilder ein mysteriöses Feuer.
Wenn ein Film den Betrachter zwingt, über lange Strecken den Blick auf eine Schwarzweiß-Zeichnung zu richten, entsteht unweigerlich eine Irritation, denn das Medium der Zeichnung steht den "bewegten Bildern" eigentlich diametral gegenüber. Gerade das lässt aber umso bewegtere innere Bilder entstehen – weniger von den äußerlichen Ereignissen als von den Facetten von Hammerskjölds Persönlichkeit. Man versteht plötzlich, in welcher Haltung er sich auf seine Verhandlungspartner eingelassen hat, seine Aufmerksamkeit, seinen Respekt und seine Stärke. Man spürt seine innere Distanz zu dem äußeren Geschehen – als hätte ein Teil von ihm die Berge Lapplands nie verlassen – und zugleich seine enorme empathische Fähigkeit. Es ist sehr berührend, wenn der Film berichtet, wie Hammarskjöld die Freilassung amerikanischer Piloten, die unter der Herrschaft von Chou En-lai in China gefangen gehalten wurden, erreichte: Es war weniger eine politische Entscheidung als ein überraschendes Geschenk zu Hammarskjölds 50. Geburtstag, weil Chou En-lai die Freundschaft mit ihm nicht gefährden wollte.
Der "Baum des Lebens", die eigentliche Hauptfigur des Films, vor dem die Gesichter dieser außergewöhnlichen Lebensgeschichte wie Ahnengeister einblenden und wieder verschwinden, ist ein geomantisches Lebenssymbol der Verwurzelung. Rüdiger Sünner hat eindrucksvoll aufgezeigt, was es bedeutet, in einer Landschaft verwurzelt zu sein, und zugleich über alle Grenzen hinweg in der Welt zu wirken. (Lara Mallien)


DAS GOETHEANUM - Wochenschrift für Anthroposophie, 26. August 2005
www.dasgoetheanum.ch

Am 29. Juli 2005 jährte sich der Geburtstag des UN-Generalsekretärs Dag Hammarskjöld, der 1961 bei einem Flugzeugabsturz über dem Kongo unter nie geklärten Umständen ums Leben kam, zum 100. Male. Der Filmemacher und Autor Rüdiger Sünner hat eine DVD veröffentlicht, auf der er sich in einer 70 minütigen künstlerisch-experimentellen Dokumentation auf die Spuren Hammarskjölds begibt. Ika Schier hat sich den Film angesehen.
Am Anfang ein Haus in einer Landschaft. Es erinnert an das Haus in „Opfer“, dem letzten Film von Andrej Tarkowskij. Eine Off-Stimme klärt mich auf, Sprecher ist der Filmautor Rüdiger Sünner: es ist das Haus von Dag Hammarskjöld in Südschweden. Hierhin hat er sich oft zurückgezogen, um Kraft zu sammeln für seine aufreibende politische Tätigkeit als UN-Generalsekretär. Auch der heutige Generalsekretär Kofi Annan besucht das Grundstück hin und wieder: wir sehen sein Foto, die Steinspirale im Garten betrachtend, Dag Hammarskjölds Meditationsplatz.
Nach Hammarskjölds mysteriösem Flugzeugabsturz 1961 wurden seine Tagebücher gefunden, die eine völlig unbekannte Seite des Politikers und Diplomaten offenbarten: Zeichen am Weg, im Juli 2005 vom Verlag Knaur neu aufgelegt, ein nachdenkliches, poetisches Buch voller Aphorismen und Gedanken, der Verlag nennt es ein „spirituelles Tagebuch“. Rüdiger Sünner hat nach eigenem Bekunden zunächst nichts mit den Aufzeichnungen Hammarskjölds anfangen können. Als er aber hörte, dass Hammarskjöld einen tiefen Bezug zur Natur Lapplands in Nordschweden hatte, war für den 1953 geborenen Filmemacher und Buchautor ein Ansatzpunkt für einen Film über Dag Hammarskjöld gefunden, der die übliche Ebene bekannter Schemata in Fernsehdokumentationen verlässt.
Wir sehen Landschaftsbilder aus Lappland, aufgenommen im Sommer 2003 und 2004. Wasser in allen Formen plätschert, fließt, tropft in den Bildern. Mit Schnee bedeckte Bergmassive erheben sich vor Wolkengebirgen. Kahle, heideartige Landschaften breiten sich aus. Der Sprecher (Ernst Jacobi) zitiert Passagen aus Hammarskjölds „Zeichen am Weg“. Es sind kaum Menschen zu
sehen auf den Bildern: einmal erblicken wir die Stiefel eines über hartes Gestein wandernden Mannes. Der Filmemacher und Autor ist im Bild zu erkennen, wie er aus dem Fenster eines Zuges blickt. Die gezeigte Landschaft erscheint kalt, rau, hart, abweisend. Gerne hätte ich der Bewegung der Wassertropfen noch länger zugesehen. Die Makroaufnahmen scheinen den Geist, die Stimmung, die Schönheit der Landschaft oft besser einzufangen als die Landschaftstotalen.
Ein von Christine Klie im Stile realistischer populärer Gebrauchsgraphik gezeichnetes Portrait Dag Hammarskjölds treibt im Bachwasser. Die von ihr gezeichneten Portraits drei amerikanischer Piloten, die unter Tschou En-Lai in chinesische Gefangenschaft geraten waren, hängen neben kleinen Flugzeugen aus Pappe an einem blühenden Baum. Am 29. Juli 1955 machte Tschou En-Lai die Freilassung der drei Piloten Dag Hammarskjöld zum Geburtstagsgeschenk. Hammarskjöld reagierte mit Scham und Dankbarkeit. Das Stilmittel der in den Baum gehängten Zeichnungen - daher der Filmtitel „Tree of Life“ in Anspielung an den „Lebensbaum“ in der jüdischen Kabbala - benutzt Rüdiger Sünner noch einige Male, um im Film die verschiedenen politischen und diplomatischen Missionen des UN-Generalsekretärs Hammarskjöld zu illustrieren: seine Nahostmission 1956, in deren Folge er zur Beilegung der Suezkrise die „Blauhelme“ gründete, zu ihrem ersten Einsatz brachte und so einen drohenden Weltenbrand verhinderte. Oder die Kongomission, in deren Verlauf es zum tödlichen Flugzeugabsturz kam. In diesen Sequenzen gelingt Rüdiger Sünner eine beeindruckende Dramaturgie: Kohlezeichnungen und Kameraeinstellungen, Lichteffekte und Sprache, Musik und Geräusche bringen uns nüchterne geschichtliche Daten so nahe, dass wir die Dramatik in Hammarskjölds Leben nachbilden können. Diese Sequenzen sind zweifellos die Glanzlichter in Rüdiger Sünners Film.
Die Bilder der lappländischen Landschaften und das Bemühen, sie in Beziehung zu setzen zum religiösen Naturempfinden und der Mystik in Hammarskjölds Tagebüchern, folgen einem anderen dramaturgischen Konzept: hier vertraut Rüdiger Sünner ganz auf die dokumentarische Kraft der Bilder und die Wucht der Worte aus Hammarskjölds Tagebuch. Wind, Wasser, Nebel, Sonnenlicht und Schattenwurf - die Elemente als Handlungsträger zu inszenieren gelingt Rüdiger Sünner in kurzen Momenten. Andrej Tarkowskij hatte darin eine Meisterschaft erreicht.
Rüdiger Sünner, der nach einem Studium der Musik, Musikwissenschaften, Germanistik 1985 über die Kunsttheorien Adornos und Nietzsches promovierte und von 1986 bis 1992 an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin als Filmemacher ausgebildet wurde, lebt als freier Autor, Filmemacher und Musiker in Berlin, hat zahlreiche Filme und Bücher veröffentlicht und ist mit seinem Interesse für spirituelle Themen und Orte eine Ausnahmeerscheinung im Dokumentarfilmbereich. (Ika Schier)

WHAT IS ENLIGHTENMENT, Spiritualität für das 21. Jahrhundert, Winter 2005
www.wie.org/de

Rüdiger Sünner hat mit seinem Dokumentarfilm „Schwarze Sonne“ über Esoterik und Kultorte und im Nationalsozialismus für Aufsehen gesorgt. Sein neuer Film führt in das Leben eines außergewöhnlichen Menschen, der im Erleben mystischer Tiefe und einem leidenschaftlichen Engagement für eine friedlichere und gerechtere Welt zwei Pole menschlicher Erfahrung auf bemerkenswerte Weise verband. Dag Hammarskjöld war von 1953-1961 UNO-Generalsekretär und erhielt posthum den Friedensnobelpreis. Sünners Film folgt den Spuren dieses Mannes in die atemberaubende Berglandschaft Nord-Schwedens, die Hammerskjöld liebte und in der er tiefe und erfüllende Erfahrungen der Stille, Einfachheit und Klarheit suchte und fand. In Naturaufnahmen von meditativer Kraft, verbunden mit Zitaten aus Hammarskjölds Tagebuch „Zeichen am Weg“, dass erst nach seinem Tod veröffentlicht wurde, wird die Berührung mit der Tiefendimension des Lebens deutlich, die er in der Natur erfuhr. Hier konnte er sich „als Teil des Gegenwärtigen erfahren“ und „ein Empfangender sein“, in Demut und Dankbarkeit. So erfuhr er die Natur vom Göttlichen durchdrungen, denn „eine Landschaft kann von Gott singen.“
Der Film berichtet mit ungewöhnlichen künstlerischen Mitteln auch von den diplomatischen Bemühungen Hammarskjölds. In Verbindung von Zeichnungen und Natur folgen wir den Berichten über seinen unermüdlichen Einsatz im Nah-Ost-Konflikt, wo er mittels Schaffung der Blauhelmtruppen eine Eskalation verhindern konnte. Wir erfahren von seinem Austausch mit dem ersten israelischen Präsidenten David Ben-Gurion und dem Philosophen Martin Buber, dessen Hoffnung in die Möglichkeiten des Dialogs er teilte.
Schmerzlich ist es der größten Herausforderung Hammarskjölds zu folgen: der Krise im Kongo, in der er sich in seinen Bemühungen immer mehr zwischen den Fronten eines Bürgerkrieges und außer Kontrolle geratener wirtschaftlicher und ideologischer Machtinteressen bewegt. Er befand sich im Zwiespalt zwischen der Unterstützung einer Intervention und der Wahrung der Selbstständigkeit des Landes, was für ihn schließlich wichtiger war. Sein Hinweis, dass es dem Westen an einer Vision für den afrikanischen Kontinent mangelt, scheint heute aktueller denn je. 1961 kommt er im Kongo bei einem Flugzeugabsturz ums Leben, dessen Umstände auch heute noch ungeklärt sind.
Sein Vermächtnis ist einerseits eine politische Vision der Vereinten Nationen, die er so formuliert: „Die Prinzipien der Charta sind umfassender …. und ihre Ziele heiliger als die Politik irgendeiner einzelnen Nation oder eines Volkes.“ Und andererseits ein Verbundensein mit dem Leben, das einhergeht mit echter Fürsorge, denn „jeden Morgen soll die Schale unseres Lebens hingegeben werden um zu tragen, um aufzunehmen und zurückzugeben.“ Dieses Vermächtnis wird im Film lebendig und berührt als ehrliches existenzielles Ringen die Erfahrung unseres spirituellen Ursprungs in der Komplexität der (politischen) Welt auszudrücken und sie zum Besseren zu wandeln. (Mike Kauschke)
DVD bei www.absolutmedien.de