ray    Östereichische Filmzeitschrift (Mai 2015)  
 

Zeige deine Wunde (D 2014)

Wissenswertes aus der Fettecke. Rost. Tote Hasen. Seelenvoll vor sich hin ranzende Butter.
Der Künstler Joseph Beuys war Inbegriff der Schrott-Art, des gefundenen und neu montierten Objekts, dass sich zur Installations-Aussage verdichtet zum Hochfinanzträger der Kunst-Schickeria entwickelte.
So wurden seine Werke oft als teuerster Sperrmüll aller Zeiten bezeichnet und entfernte schon 1986 eine Putzfrau mal versehentlich eine seiner Arbeiten aus der Museumsecke.
Dokufilmer Rüdiger Sünner, seit „Schwarze Sonne“ 1997, seiner akribischen Aufarbeitung der Nazi-Esoterik, Spezialist für teutonische Rest-Mythomanie, macht sich stattdessen auf die Spurensuche nach Beuys als Mensch und Träumer, der tief geprägt war von Schamanismus, Mystik und Anthroposophie.
Schön, wie Beuys als abgestürzter Weltkriegspilot in der Pflege der Krimtataren den für ihn prägenden Fett und Filz als Überlebensmittel kennen lernt.
Schön, wie er beim Bepöbeln von Rudolf Steiner den Punk über die Kunst-Szene vorwegnahm.
Schön auch, dass der grad mal vom Diavortrag zum Langfilm erweiterte Stil-Minimalismus von Sunner wie sonst nur bei Wagenhofer immer noch funktioniert. www.ray-magazin.at

Regie, Buch, Kamera: Rüdiger Sünner, mit Rhea Thönges-Stringaris, Sonja Mataré, Johannes Stüttgen, Volker Harlan, Wolfgang Zumdick, Franz Joseph van der Grinten, Rainer Rappmann, Länge 85 Minuten, DVD bei Absolut Medien, Buch beim Europaverlag